Das Pinzgauer Rind gehört ursprünglich zu den europäischen Höhen-viehrassen und ist ein auf "Milch und Fleisch" gezüchtetes Zwei-
nutzungsrind. Diese robuste, gut mittelrahmige und leistungsfähige
Rasse hat sich aus dem rotscheckigen Bajuwarenrind und dem
knochenstarken, einfärbigen Slawenrind entwickelt.

Herkunft

Das "Pinzgauer Rind" mit seiner kastanienbraunen Grundfarbe und der typischen Weißzeichnung am Rücken, Kreuz und Bauch sowie an den Vorderarmen und Unterschenkeln, leitet seinen Namen von einem im Bundesland Salzburg gelegenen Bezirk, dem "Pinzgau" ab.

 

Diese typische Farbzeichnung wird dominant vererbt und ist auch heute noch Markenzeichen der Pinzgauer Rasse. Eine be-sondere Rarität stellen die schwarzweiß gefärbten Typen und die genetisch hornlose Variante, auch bekannt unter dem Na-men "Jochberger Hummeln", dar. Die Anfänge der Selektion auf besondere Rassenmerkmale fallen vermutlich in das Ende des 18. Jahrhunderts. Ein beachtlicher Erfolg dieser Zuchtperiode war die Beschickung der Pariser Weltausstellung im Jahre 1871. Die "Pinzgauer Rasse" ist die einzige in Österreich gewachsene (autochtone) Rasse mit Weltgeltung.

Verbreitung

Bereits 1820 wurden die ersten Tiere dieser Rasse nach Rumänien, Jugoslawien, Tschechien und in die Slowakei exportiert, wo sich in den Folgejahren heute noch bestehende Zuchtgebiete entwickelten. Die Rasse ist derzeit in 25 Staaten (davon 8 europäischen) in vier Erdteilen mit etwa 1,0 Million Tiere verbreitet. Nach der geschichtlichen Entwicklung gehörten die Zuch-tgebiete von Österreich, Bayern und Südtirol zum "Stammzuchtgebiet". Rund 90 % des Weltbestandes befinden sich außer-
halb Österreichs.

Eigenschaften

Die Gebiete, in denen die Pinzgauer Rasse ihren Ursprung hat sind gekennzeichnet durch kleinbäuerliche Strukturen und er-schwerte Produktionsbedingungen. Gerade in der Zeit vor der Erschließung und Mechanisierung dieser Berggebiete legten
die Bauern einen großen Wert auf robuste, widerstandsfähige und marschtüchtige Rinder. Diese extensiven Haltungsformen
in den Alm- und Bergregionen des Stammzuchtgebietes führten zu einer natürlichen Selektion auf eine ausgezeichnete An-
passungsfähigkeit an schwierige Standorte. Das Pinzgauer Rind, das bereits zur Jahrhundertwende nach Südafrika und zu einem späteren Zeitpunkt auch nach USA, Kanada und Australien exportiert wurde, bewährte sich auch unter extremsten Umweltverhältnissen, sowohl in der Reinzucht als auch als Kreuzungspartner bestens. Die harten Klauen und das korrekt,
gut gewinkelte Fundament bedingen eine ausgezeichnete Marschfähigkeit.

Das rotbraune Haarkleid der Tiere stößt die ultravioletten Strahlen ab, die besonders stark in Gebirge und Tropen, aber auch
in den ausgedehnten Schneefeldern vorhanden sind. Außerhalb des Stammzuchtgebietes wird das Pinzgauer Rind fast aus-schließlich in der Mutterkuhhaltung und zur Mast verwendet. Wissenschaftliche Untersuchungen an der technischen Univer-sität in München von Prof. Franz Pirchner bescheinigen dem Fleisch von Pinzgauer Rindern eine Überlegenheit in objektiven
und subjektiven Qualitätsmerkmalen. Marmorierung, Saftigkeit, Geschmack und geringer Grillverlust sowie Feinfasrigkeit zäh-
len zu seinen Stärken Das Pinzgauer Rind ist aufgrund der hohen Grundfutterverzehrsleistungen besonders in Grünlandge-bieten wertvoll und wird aufgrund seiner Leistungsbereitschaft, Widerstandsfähigkeit und Langlebigkeit als optimales "Bio-
rind" angesehen.

Das heutige Zuchtziel im Stammzuchtgebiet Österreich

Das Pinzgauer Rind wird in Richtung einer leistungsbetonten, mittel- bis großrahmigen Zweinuztungsrasse weiterentwickelt.
In der Milchleistung wird von einer ausgewachsenen Kuh und zwar ab der 3. Laktation, bei ausreichender Nährstoffversor-gung eine durchschnittliche Laktationsleistung von 6.000 kg Milch bei 4 % Fett und 3,5 % Eiweiß angestrebt. Die Fleisch-
leistung gilt als zweite wichtige Zuchtzielkomponente. Dabei werden in der Stiermast, bei guter Bemuskelung der Tiere,
1.300 g tägliche Zunahme mit rund 58 % Ausschlachtungsprozent angestrebt. Die bisher schon hervorragende Fleisch-qualität soll erhalten bleiben. Für eine weitere Verbesserung der Wirtschaftlichkeit ist einer großen Aufnahme von wirtschaft-eigenem Futter, einer regelmäßigen Fruchtbarkeit sowie der Frohwüchsigkeit und Anpassungsfähigkeit besonderes Augen-merk zu schenken. Bei der Selektion soll vor allem auf korrekte, trockene Gliedmaßen mit festen Klauen und leichtmelkende,
gute geformte Euter mit einer festen Aufhängung besonders geachtet werden.

Das Pinzgauer Rind außerhalb des Stammzuchtgebietes

Weltweit kann das Pinzgauer Rind den Fleischrassen zugeordnet werden. Außerhalb Europas wird es seit den Exporten
über Jahrzehnte hindurch auf Fleisch selektiert. Eine gute Milchleistung gewährleistet hohe Zunahmen der Kälber. Erfolge
auf internationalen Ausstellungen beweisen die Konkurrenzfähigkeit des Pinzgauer Rindes unter Fleischrassen. Auf der
Royal Easter Schow in Sydney ging die Pinzgauer Kollektion unter 18 verschiedenen Fleischrassen als Sieger hervor. Die Züchter in aller Welt schätzen die Fleischfülle reinrassiger Pinzgauer, die Widerstandsfähigkeit, die Fruchtbarkeit, den aus-geprägten Mutterinstinkt ebenso wie die Friedfertigkeit und Langlebigkeit. Besonders die genetische Hornlosigkeit der "Haller-Linie" findet besondere Beachtung. Die markante und einzigartige Farbzeichnung der Pinzgauer Rinder mit den pigmentierten Augen schützt in extremen Klimaten vor UV-Strahlen. Besonderes Augenmerk wird auf die absolute Reinrassigkeit gelegt.
Tiere mit Fremdblutanteil werden außer in Gebrauchskreuzungen abgelehnt.


Zusammenfassung

Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß die positiven Eigenschaften der Pinzgauer Rasse besonders in der Mutterkuhhaltung zum Ausdruck kommen. Das optimale Verhältnis von Milch, Fleisch und vor allem bestimmter sekundärer Leistungsmerkmale wie Marschtüchtigkeit, hervorragender Mutterinstinkt und Widerstandsfähigkeit, begünstigen die Verbreitung dieser Rasse besonders unter extensiveren Haltungsgebieten in extremeren Lagen. Die breite genetische Varianz lässt einen vielseitigen Einsatz sowohl in der Reinzucht als auch in Gebrauchskreuzungen zu. Weltweit schätzen Züchter die vielen positi-
ven Leistungseigenschaften und einige behaupten, das Pinzgauer Rind sei "Das schönste Rind der Welt".


Kurzinformation zur Pinzgauer-Rasse 

Rassenbestand
in Österreich (
2007): Anzahl 47.100
Rassenanteil 2,3%

Zuchttierbestand:
Zuchtherden 1.087
Herdebuchkühe 8.132
Kontrollkühe
   8.282
Besamungsdichte 77,1%


Milchleistungen:

Herdebuchkühe
Anzahl Kühe
Milch kg
Fett %
Fett kg
Eiweiß %
Eiweiß kg
1. Laktation (2007)
2.104
4.689 
3,90
183
3,28
154
2. Laktation (2006)

1.532

5.420 3,91 212 3.30 179
3. Laktation (2006)

1.127

5.732 3,90 223 3,26 187
ab 4. Laktation (2006)

2.118

5.911 3,89 230 3,23 191
alle Laktationen (2007)
6.863
5.438 
3,90
212
3,26

177

42,3% der Kühe werden gealpt.


Fleischleistung:
Versteigerungstiere 55 Stück tägliche Zunahme 1.258 g
Station Kleßheim 12 Stück tägliche Zunahme 1.321 g



Zuchtviehabsatz über Versteigerungen - Maishofen (2006):

verkaufte Tiere
Durchschnittspreis in €
Stiere 48 1.843,--
Kühe 551 1.308--
Kalbinnen 69 1.297,--
Zuchtkälber (weiblich) 155 488,--


Die besten Herden(2006):

Anzahl Kühe
Milch kg
Fett %
Eiweiß %
Schönbacher Gottfried, Wenigzell, Stmk 2,5 11.249 4,03 3,39
Neumayr Ernst, Saalfelden, Sbg. 5,9 9.962 3,64 3,31
Voithofer Theresia, Bramber, Sbg. 2,7 10.162 3,54 3,13
Höller Klaus, Stuhlfelden, Sbg. 10,1 8.890 4,37 3,22
Hollaus Betriebsgem. Neukirchen, Sbg. 3,1 8.799 4,18 3,27
Hofer Andreas, Bramberg, Sbg. 6,1 8.532 4,47 3,19
Hasenauer Johannes 4,0 8.538 4,14 3,28
Hochfilzer M. u. G. Kitzbühel, T 6 7.720 4,63 3,51
Schwab Renate 3,9 8.697 3,54 3,27
Gruber Brigitte, Uttendorf, Sbg. 2,2 7.098 4,82 3,39
Mayr Anton, Walchsee, T. 2,5 7170 4,71 3,33
Schefbanker Johann 3,6 7.481 4,42 3,26
Gsenger Josef, Abtenau, Sbg. 2,1 8.043 4,13 2,97
Tiefenbacher Roman 21,3 8.224 3,54 3,34
Oberhauser Franz, Wald/Pzg., Sbg. 11,7 7.599 4,03 3,36
Perner Heinrich, Tamsweg, Sbg. 4,8 7.817 4,01 3,16
Birnbacher johann, St. Veit, Sbg. 5,8 7.174 4,30 3,50
Fritzenwanker Gertraud, Saalfelden, Sbg. 2,4 7.632 3,9 3,41
Kröll Elisabetz, Mittersill, Sbg. 4,9 7.134 4,47 3,32
Wallner Hannes, Großkirchheim, Ktn. 4,5 7.412 3,89 3,60